Wandern auf Bornholm: Die schönsten Wanderrouten und Naturpfade
Bornholm ist eine Insel, die man am besten zu Fuß entdeckt. Zwischen zerklüfteten Granitfelsen im Norden, endlosen Sandstränden im Süden und dichten Wäldern im Inneren bietet die dänische Ostsee-Insel ein Wandererlebnis, das in Nordeuropa seinesgleichen sucht. Wer einmal durch das goldene Licht der Almindingen-Wälder gelaufen ist oder auf den Klippen von Hammeren gestanden hat, versteht, warum Bornholm bei Wanderfreunden einen fast legendären Ruf genießt.
Warum Bornholm für Wanderer so besonders ist
Die Insel ist überschaubar – etwa 40 Kilometer von Nord nach Süd – aber erstaunlich vielfältig. Was Bornholm von anderen Ostseeinseln unterscheidet, ist das Gestein. Der Granit, der hier seit Jahrmillionen aus dem Boden ragt, formt eine Landschaft mit echtem Charakter: Felsnadeln, die aus dem Meer steigen, tiefe Waldschluchten, kristallklare Bäche.
Dazu kommt ein gut ausgebautes Wegenetz. Beschilderung, Kartenangebote und ein dichtes Netz an Wanderpfaden machen die Orientierung einfach – sowohl für erfahrene Streckenwanderer als auch für Familien mit Kindern, die einen entspannten Halbtagesausflug suchen.
Die wichtigsten Wanderrouten auf Bornholm
Der Küstenweg rund um die Insel
Der bekannteste aller Naturpfade Bornholms ist der Küstenwanderweg, der die gesamte Insel umrundet. Mit rund 105 Kilometern lässt er sich bequem in vier bis fünf Etappen aufteilen. Jeder Abschnitt hat seinen eigenen Charakter:
- Nordküste (Sandvig bis Tejn): Dramatisch und wild. Hier dominiert der nackte Granit, die Wellen brechen direkt gegen die Felsen, und der Blick aufs offene Meer ist unverbaut.
- Ostküste (Gudhjem bis Svaneke): Sanfter, mit kleinen Buchten und Räuchereien, die nach geräuchertem Hering duften.
- Südküste (Dueodde bis Nexø): Flach und endlos – der feinste Sandstrand der Ostsee erstreckt sich über Kilometer, und der Weg läuft teils direkt am Wasser.
- Westküste (Rønne bis Sandvig): Wechselhaft, mit Fischerhafen-Atmosphäre und ruhigeren Waldabschnitten.
Wer nicht die gesamte Runde gehen möchte, kann einzelne Etappen herauspicken. Die Nordküste gehört dabei zum Eindrucksvollsten, was die Wanderungen auf Bornholm zu bieten haben.
Hammeren – der Granitkoloss im Norden
Das Hammershus-Plateau mit seiner mächtigen mittelalterlichen Burgruine ist Pflicht, aber die eigentliche Entdeckung liegt etwas weiter nördlich: die Halbinsel Hammeren. Hier schlängeln sich Pfade über Heidekrautflächen, vorbei an kleinen Binnenseen, immer begleitet vom Blick aufs Meer. Die Rundroute um Hammeren misst rund 12 Kilometer und gilt als moderat – mit einigen kurzen, steilen Stellen an den Granitklippen.
Besonders lohnend: die Aussicht vom Nordzipfel der Insel, wo man bei klarem Wetter die schwedische Küste erkennen kann.
Almindingen – Wandern im Herzen der Insel
Der größte Wald Dänemarks liegt mitten auf Bornholm. Der Almindingen ist ein Wandergebiet für sich, mit einem Netz aus markierten Pfaden, die durch Buchen- und Kiefernwälder führen, an Teichen vorbei und hinauf zum Rytterknægten, dem höchsten Punkt der Insel auf immerhin 162 Metern.
Die Wege hier sind überwiegend einfach und gut zu gehen, ideal für Familien. Der Ausblick vom Rundturm auf dem Rytterknægten reicht bei gutem Wetter bis zur Küste.
Rund um Gudhjem und Melsted
Das hübscheste Fischerdorf der Insel ist auch ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen. Ein beliebter Kurzweg führt von Gudhjem südwärts nach Melsted, folgt dem Klippenpfad, passiert alte Windmühlen und bietet immer wieder neue Perspektiven auf das tiefblaue Meer. Etwa 5 bis 6 Kilometer hin und zurück – perfekt für einen Vor- oder Nachmittag.
Schwierigkeitsgrade: Für jeden etwas
Leicht: Die Strandspaziergänge an der Südküste zwischen Dueodde und Boderne verlangen nichts außer guten Schuhen. Flaches Terrain, kein Höhenunterschied.
Mittel: Die Küstenabschnitte im Norden und die Almindingen-Runden verlangen etwas Ausdauer, sind aber ohne Vorkenntnisse gut machbar.
Anspruchsvoll: Wer mehrere Etappen des Küstenwegs hintereinander geht oder die gesamte Umrundung in wenigen Tagen schafft, braucht Kondition und eine gute Ausrüstung. Festes Schuhwerk ist an den Granitpassagen keine Option, sondern Notwendigkeit.
Praktische Tipps für Wanderungen auf Bornholm
Beste Reisezeit: Frühling und Frühherbst sind ideal. Im Juni und September ist es angenehm kühl, die Wege sind nicht überfüllt, und das Licht ist herrlich.
Karten: Eine gute Wanderkarte ist empfehlenswert – viele Abschnitte liegen abseits von Mobilfunkempfang. Die Tourismusbüros auf der Insel halten aktuelles Material bereit.
Verpflegung: Außerhalb der Ortschaften gibt es kaum Einkehrmöglichkeiten. Wer lange Strecken plant, sollte genug Wasser und Essen mitnehmen.
Unterkunft: Wer mehrere Wandertage plant, ist mit einer zentral gelegenen Ferienwohnung gut beraten – von der Inselmitte aus lassen sich alle Ecken des Wegenetzes gut erreichen, ohne täglich dasselbe Stück zurücklaufen zu müssen.
Kombination mit dem Rad: Bornholm hat eines der besten Radwegnetze Dänemarks. Viele Wanderer nutzen das Fahrrad, um zu einem Startpunkt zu kommen, und laufen die Route dann zu Fuß – ein cleveres System auf einer Insel dieser Größe.
Die Stille als eigentlicher Schatz
Was Wanderungen auf Bornholm von Ausflügen auf touristisch dichter besuchte Inseln unterscheidet, ist die Ruhe. Selbst in der Hauptsaison findet man auf den Nordküstenpfaden oder tief im Almindingen Abschnitte, wo man eine Stunde läuft, ohne einem anderen Menschen zu begegnen. Das ist in Mitteleuropa selten geworden – und auf Bornholm ganz selbstverständlich.